Staunt man heute immer noch, wenn man La Serenissima zum ersten Mal vom Wasser aus erreicht, so staunten in den vergangenen Jahrhunderten Besucher, Schriftsteller, Dichter, Künstler, Musiker und Könige, als sie nach Venedig hinein kamen.
Seit Jakob Fugger dem Reichen reisten u.a. Goethe, August von Platen, Thomas Mann, Rainer Maria Rilke nach Venedig, und schrieben Gedichte, Verse von großer Schönheit. Sie bewunderten den vergangenen Glanz, die einst unermessliche Macht und die faule Dekadenz und den unaufhaltbaren Untergang.

der Markusplatz
VENEDIG LA SERENISSIMA
GOETHE, ITALIENISCHE REISE
Goethe erreichte zweimal Venedig; das erste Mal von Padua aus, durch den Brenta Kanal mit dem Burchiello Boot. Der 37 jährige Goethe schrieb:
…So stand es denn im Buche des Schicksals auf meinem Blatte geschrieben, daß ich 1786 den achtundzwanzigsten September, abends, nach unserer Uhr um fünfe, Venedig zum erstenmal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, erblicken und bald darauf diese wunderbare Inselstadt, diese Biberrepublik betreten und besuchen sollte. So ist denn auch, Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name, der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen, geängstiget hat.
Er logierte im Hotel Königin von England, woran die Tafel heute noch erinnert.

Tafel, die an den ersten Aufenthalt von Goethe erinnert
THOMAS MANN’s Held Gustav von Aschenbach empfindet eine ähnliche Vision der Lagunenstadt bei seiner Ankunft in DER TOD IN VENEDIG.
…So sah er ihn denn wieder, den erstaunlichsten Landungsplatz, jene blendende Komposition phantastischen Bauwerks, welche die Republik den ehrfürchtigen Blicken nahender Seefahrer entgegenstellte: die leichte Herrlichkeit des Palastes und die Seufzerbrücke, die Säulen mit Löw’ und Heiligem am Ufer, die prunkend vortretende Flanke des Märchentempels, den Durchblick auf Torweg und Riesenuhr…
Die schönste Seite ist immer von der Meerseite, heute auch noch!
…und anschauend bedachte er, dass zu Lande, auf dem Bahnhof in Venedig anlangen, einen Palast durch eine Hintertür betreten heiße, und dass man nicht anders als wie nun er, als zu Schiffe, als über das hohe Meer die unwahrscheinlichste der Städte erreichen sollte.
GONDELN UND KANÄLE
Niemand kam und kommt von der Faszination der Gondeln, den verschlungenen schmalen Gassen, von der Wirrnis der Topographie hinweg.
GOETHE, der 1791 wieder einmal nach Venedig zurückkehrte und auf dem Canal Grande dieses Mal logierte, hat seine Empfindungen zu Epigrammen formuliert, zu seinen VENEZIANISCHEN EPIGRAMMEN.
…Diese Gondel vergleich’ ich der Wiege, sie schaukelt gefällig,
50
Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen Sarg und Wiege wir schwanken und schweben,
Auf dem großen Kanal, sorglos durchs Leben dahin …
Ruhig saß ich in meiner Gondel, und fuhr durch die Schiffe,
Die in dem großen Kanal viele befrachtete stehn;
Jede Waare findest du da, für jedes Bedürfniß,
40
Waizen, Wein und Gemüs, Scheitholz und leichtes Gesträuch;
Schnell drang die Gondel vorbei…

Tafel, die an den zweiten Aufenthallt von Goethe erinnert
Diese Gefühle und Eindrücke, Wasser, Gassen usw. spürt auch HERMANN HESSE , der sie in seinem Gedicht ANKUNFT IN VENEDIG bestens ausdrückt.
… Du lautlos dunkler Kanal,
Verlassene Bucht,
Uralter Häuser graue Flucht,
Gotische Fenster und maurisch verziertes Portal!
… Hier will ich ganz allein
Durch alte Gassen gehn,
Bei Fackelschein
An Gondeltreppen stehn,
In blinde Fenster sehn
Bang-glücklich wie ein Kind im Dunkeln sein.

WEITERE IMPRESSIONEN
Die Liste der Impressionen von Wagner, Nietzsche, Grillparzer, Werfel, Brodskij ist lang …Zum Abschluss 2 Schriftsteller, die Venedig besonders gut kannten.
RAINER MARIA RILKE, der 10 mal in Venedig war und die Stadt innen und außen kannte, trug auch zum Lob der La Serenissima mit seinen vielen Gedichten bei, wie in VENEDIG
…Fremdes Rufen. Und wir wählen
Eine Gondel, schwarz und schlank:
Leises Gleiten an den Pfählen
Einer Marmorstadt entlang.
5
Still. Die Schiffer nur erzählen
Sich. Die Ruder rauschen sacht,
Und aus Kirchen und Kanälen
Winkt uns eine fremde Nacht.
Ein anderer Verehrer, AUGUST VON PLATEN, hat viele Jahre in Italien verbracht und einige in Venedig. In seiner SONETTE AN VENEDIG besingt er wieder Venezia.
Dem deutschen Freunde, den die Sterne lenken
Zu dieser Inselstadt vom Meer beschäumet,
Sei dieses kleine Buch ein Angedenken,
Wann er am Ufer der Lagune säumet,
Gerne führe ich Sie auf einen reichen literarischen Rundweg durch Venedig!
Fiona

